Bericht über unsere Reise nach China vom 22.10.11-04.11.11
In diesem Schuljahr fand erstmals ein Austausch zwischen einer chinesischen Schule und dem AKG, sowie der Richard-Rother-Realschule statt. Die Initiative ging dabei von der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft aus, da chinesische Schulen seit kurzem sehr an Austauschprogrammen mit Europa interessiert sind. Das AKG nahm dieses Angebot dankend an, auch weil so etwas in Deutschland sehr selten ist und wir erst die 123. Schule in der ganzen Republik sind, welche einen Austausch mit China anbietet.
Eine Teilnahme war für alle diesjährigen 9. und 10. Klassen sowie die Q11 möglich. Das Interesse war enorm, was sich daran zeigt, dass es am AKG 22 Anmeldungen gab. Zusammen mit 7 Realschülern bildeten wir eine Reisegruppe, bestehend aus 29 Schülern mit 4 Lehrern, die uns begleiteten (Herr Hauck, Herr Horn, Frau Hofmann vom AKG und Frau Walter von der RRR).
Die Reise begann am Freitag, den 22.10.11, mit einer Busfahrt zum Frankfurter Flughafen. Gegen 20 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit startete unser Flieger in Richtung Shanghai, wo wir nach etwa 10 Stunden landen sollten. Nach einer etwas ungemütlichen Busfahrt von Shanghai nach Keqiao, wo unsere Partnerschule liegt, erreichten wir gegen 17 Uhr chinesischer Zeit die Keqiao High School. Der Empfang an der Schule war überwältigend, da die Schule keine Kosten und Mühen scheute, um uns einen großartigen Empfang zu bieten.
Nach der Begrüßungszeremonie fuhren wir mit unseren Gastfamilien nach Hause. Am Sonntag war ich zusammen mit meiner Gastfamilie und ein paar Freunden meines Austauschpartners in der nächsten größeren Stadt Shaoxing, wo wir ein Freilichtmuseum und anschließend ein Naherholungsgebiet besuchten. Von Montag bis Freitag gab es ein allgemeines Programm für unsere deutsche Reisegruppe. Montagfrüh besuchten wir drei Unterrichtsstunden zusammen mit unseren Partnern. Für viele Schüler waren wir eine echte Sensation und wir mussten viele Fotos zusammen mit chinesischen Schülern machen. Der Unterricht beginnt in China bereits um 7 Uhr und endet um 17:20 Uhr. Auch haben die Schüler am Samstag bis Mittag Unterricht. Frei ist nur der Sonntag. Auffallend sind die vielen Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Schulen. Beispielsweise hören sie jeden Montag eine Rede ihres Staatspräsidenten Hu Jintao und singen die Nationalhymne. Zwischen der zweiten und dritten Stunde machen sie alle gemeinsam Morgengymnastik und das Klassenzimmer muss von den Schülern gesäubert werden.
An der Schule wurde uns ein vielfältiges Programm geboten, welches uns möglichst viele Bereiche der chinesischen Tradition und Kultur nahebringen sollte: Kalligraphie, chinesische Malerei, Tänze, Musik, Tai Chi. Die vielen kleinen Kurse wurden von Lehrern der Schule liebevoll vorbereitet und ins Englische übersetzt. Doch die Woche an der Schule ging sehr schnell vorbei und wir wurden nach einem schweren Abschied am Samstagmorgen per Bus zuerst nach Hangzhou und dann weiter nach Suzhou gebracht. Dort besichtigten wir einen typisch chinesischen Garten, dessen Wege zickzack-förmig angelegt sind. Das soll böse Geister aus diesem Garten fernhalten, da jene auf solchen Wegen sich nicht fortbewegen können (daher der Name des Gartens: Master-of-Nets). Auch der Besuch einer Seidenfabrik mit anschließender Kaufmöglichkeit war ein interessanter Programmpunkt, bei dem wir erfuhren, dass Seide aus einer toten, verpuppten Seidenraupe hergestellt wird, indem man den Kokon „abwickelt“. Danach genossen wir eine Bootsfahrt auf dem berühmten Kaiserkanal Suzhous.
Nach einer Busfahrt besuchten wir das Shanghai Museum, in welchem viele Relikte der alten chinesischen Kultur ausgestellt sind. Nach dem Mittagessen ging es auf den „Bund“, eine Besucherterrasse, die einen wunderbaren Blick auf die berühmte Silhouette des modernen Stadtteils Pudong bietet. Sehr interessant war der darauf folgende Besuch der Altstadt Shanghais, die Einkaufsmöglichkeit sowie den Besuch eines traditionellen chinesischen Gartens ermöglichte. Danach besuchten wir ein Perlengeschäft, wo uns Muscheln zur Zucht der Perlen gezeigt und geöffnet wurden. Die Muschel stirbt und die über mehrere Jahre gewachsene Perle kann entnommen und verarbeitet werden. Am Abend schließlich gingen noch ein paar wenige zusammen mit den Lehrern auf den Bahnhofsvorplatz Shanghais, wo Einwohner in großen Gruppen tanzten und Jugendliche sehr gekonnt Inliner fuhren. Der nächste Tag begann mit dem Besuch eines Einkaufszentrums. Danach bestiegen wir den Jinmao-Turm und genossen die großartige Aussicht auf Shanghai. Es folgte der Besuch eines buddhistischen Tempels, in dem eine wertvolle Jade-Buddha Figur aufbewahrt wird. Am Abend schließlich besuchten wir einen Zirkus, der uns eine tolle Vorstellung bot, die für die Eröffnung der olympischen Spiele in Peking konzipiert wurde. Danach fuhren wir nochmals zum Bund, um die Silhouette bei Nacht zu bewundern.
Am folgenden Abend nahmen wir den Nachtzug nach Peking. Dort wurden wir von unserer Reiseleiterin empfangen und fuhren gleich zum Tiananmen Platz („Platz des himmlischen Friedens“). Der darauffolgende Besuch der Verbotenen Stadt war sehr beeindruckend, genauso wie der Besuch des Himmelstempels, in dem früher der Kaiser einmal im Jahr betete, um eine gute Ernte zu ermöglichen. Der nächste Tag begann mit dem Besuch eines Abschnittes der Chinesischen Mauer. Der höchste Punkt dieses Abschnittes befindet sich auf exakt 888m über NN. Das hat für die Chinesen eine besondere Bedeutung, da in China 8 eine Glückszahl ist. Mao Zedong sagte einmal: „ Nur wer die Chinesische Mauer bestiegen hat, ist ein richtiger Mann.“ Aus diesem Grund ist es auch für Chinesen enorm wichtig, einmal im Leben auf der Mauer zu stehen. Am Nachmittag besichtigten wir ein Kaisergrab aus der Chang-Dynastie, welches aus mehreren Hallen und einem großen, künstlichen Grabhügel besteht. Zu Abend aßen wir Peking-Ente, die uns allen sehr schmeckte und schon den vorletzten Programmpunkt darstellte. Am letzten Tag nämlich besuchten wir früh noch im alten Stadtzentrum Pekings den Glocken- und den Trommelturm, bevor wir zum Flughafen fuhren und die Heimreise antraten.
Der lange Flug und die Zeitumstellung machten uns zu schaffen, trotzdem waren wir doch auch wieder froh, in Deutschland zu sein. Nach einer anstrengenden, aber auch sehr interessanten Reise bleibt uns noch die Vorfreude auf den Gegenbesuch der chinesischen Schüler und Schülerinnen im Juli 2012.
Martin Schlinke, 10a